Der Sämann

Saatgut aus der Fülle des Lebens-mit-Gott

  • Täglich Brot

    • Die Psalmen (hübsche Lutherausgabe)
    • Johann Arnd – Sechs Bücher vom wahren Christentum
    • Richard Foster, Dallas Willard, Walter Brueggemann (Hrsg.) – Renovaré Spiritual Formation Study Bible
  • Was ich höre

    • Bon Iver – For Emma, Forever Ago
    • Coldplay – Prospekt's March (EP)
    • Hannes Wader – Neue Bekannte
    • Johnny Cash / Willlie Nelson – VH1 Storytellers
    • Mortification – The Evil Addiction Destroying Machine
    • Rosanne Cash – The Wheel
    • Söhne Mannheims – Iz On
    • Shad – The Old Prince
    • Sting – Fields of Gold (Best of 1984-1994)
    • The Freewheelin’ Bob Dylan
    • The Police – Their greatest Hits
    • Tom Waits – Rain Dogs
    • U2 – No Line on the Horizon
    • Xavier Naidoo – Alles kann besser werden
  • Was ich lese

    • Alan J. Roxburgh und Fred Romanuk – The Missional Leader: Equipping Your Church to Reach a Changing World
    • Annette von Droste-Hülshoff – Werke
    • Armin Mauerhofer – Gemeindebau nach biblischem Vorbild
    • Bill Bryson – Eine kurze Geschichte von fast allem
    • Christian Schwarz – Die 3 Farben Deiner Spiritualität
    • Claude Duvernoy – Der Fürst und sein Prophet
    • George Lindbeck – The Nature of Doctrine: Religion and Thelogy in a Postliberal Age
    • Gina Trapani – Upgrade Your Life: The Lifehacker Guide to Working Smarter, Faster, Better
    • Gustav Aulén – Das christliche Gottesbild in Vergangenheit und Gegenwart: Eine Umrißzeichnung
    • Hans Küng – Erkämpfte Freiheit: Erinnerungen
    • Ira Milligan – Understanding the Dreams You Dream
    • J. R. R. Tolkien – Tree and Leaf, Smith of Wotton Major, The Homecoming of Beorhtnoth
    • John Bunyan – Die Pilgerreise nach dem Berge Zion
    • John W. Kiser – Die Mönche von Tibhirine
    • Joseph Heath und Andrew Potter – The Rebel Sell: How the Counter Culture Became Consumer Culture
    • Lothar J. Seiwert – Wenn Du es eilig hast, gehe langsam: Das neue Zeitmanagement in einer beschleunigten Welt
    • Malcolm Gladwell – Outliers: The Story of Success
    • Manfred Scheuch – Historischer Atlas Deutschland: Vom Frankenreich bis zur Wiedervereinigung
    • Neue Genfer Übersetzung – Neues Testament
    • Richard Pascale u.a. – Surfing on the Edge of Chaos: The Laws of Nature and the New Laws of Business
    • Rob McAlpine – Postcharismatic? Where are we now? Where have we come from? Where are we going?
    • Roger von Oech – A Whack on the Side of the Head: How You Can Be More Creative
    • Saul Friedländer – Das Dritte Reich und die Juden
    • The Voice – New Testament
    • Tobias Faix u.a. (Hg. – Die Welt verändern: Grundfragen einer Theologie der Transformation
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Döner macht schöner!

Rückblick 2009: 100 DVDs

4th Februar 2010

Teil 3: Folgende DVDs habe ich mir vergangenes Jahr angesehen:

50 Erste Dates
88 Minutes
300
Alpha Dog
American History X
Babylon A.D.
Band of Brothers
Die Bartholomäusnacht
Das Beste kommt zum Schluss
Big Fish
Die Braut des Prinzen
Brügge sehen … und sterben?
Capote
Cars
Casablanca
Cassandras Traum
Cast Away
City by the Sea
City of God
Der Club der toten Dichter
The Dark Knight
Dead Man
Death Proof
Desperado
Diva
Dogtown Boys
Doppelmord
Der Elefantenmensch
Erbarmungslos
Es begab sich aber zu der Zeit…
Gran Torino
Der Herr der Ringe: Die Gefährten
Der Herr der Ringe: Die zwei Türme
Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs
A History of Violence
Irgendwann in Mexiko
Jackie Brown
Jacob’s Ladder
James Bond 007: Casino Royale
James Bond 007: Ein Quantum Trost
Jennifer 8
Jerusalem
Johnny zieht in den Krieg
Juno
Keinohrhasen
Kill Bobby Z
Knowing
Das Leben des Brian
Das Leben nach dem Tod in Denver
Leg Dich nicht mit Zohan an
M.A.S.H.
The Machinist
Der Mann, der niemals lebte
El Mariachi
Matrix
Matrix Reloaded
Matrix Revolutions
Mein Leben ohne mich
The Million Dollar Hotel
Monster
Nikita
Nix wie raus aus Orange County
No Country for Old Men
Nur noch 60 Sekunden
Die Passion Christi
Der Patriot
Projekt: Peacemaker
Ratatouille
Resident Evil
Ritter aus Leidenschaft
Ronin
Ein Schrei in der Dunkelheit
Die Schwester der Königin
Das siebente Siegel
Sin City
Sky Captain and the World of Tomorrow
Sleepers
Smoke
Spiel mir das Lied vom Tod
Star Wars Episode 1: Die dunkle Bedrohung
Star Wars Episode 2: Angriff der Klonkrieger
Star Wars Episode 3: Die Rache der Sith
Star Wars Episode 4: Eine neue Hoffnung
Star Wars Episode 5: Das Imperium schlägt zurück
Star Wars Episode 6: Die Rückkehr der Jedi-Ritter
The Straight Story
Das Streben nach Glück
Das süsse Jenseits
Sweeny Todd: Der teuflische Barbier aus der Fleet Street
Syriana
Tatsächlich… Liebe
Taxi Driver
Transformers
Tropic Thunder
Die üblichen Verdächtigen
Wehrlos – Die Tochter des Generals
Wo ist Fred?
Zimmer 1408
Zwielicht (Primal Fear)
Zoolander

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Rückblick 2009: Kino

2nd Februar 2010

Teil 2 meines Jahresrückblicks. Folgende Filme habe ich im vergangenen Jahr gesehen:

96 Hours
Die Entführung der U-Bahn Pelham 123
The Fast and the Furious 4: Neues Modell, Originalteile
Das Gesetz der Ehre
Gran Torino
Hangover
Harry Potter und der Halbblutprinz
Illuminati
Inglourious Basterds
The International
Knowing
Männerzherzen
Public Enemies
Oben
Operation Walküre: Das Stauffenberg Attentat
Righteous Kill – Kurzer Prozess
Der seltsame Fall des Benjamin Button
Sieben Leben
Slumdog Millionär
Terminator 4: Erlösung
Tödliches Kommando
Transformers 2 – Die Rache
Transporter 3
Verblendung
Der Vorleser
Watchmen
The Wrestler
X-Men Origins: Wolverine
Zweiohrküken

Für mich als Blockbuster-Freund war 2009 ein gutes Kino-Jahr. Folgendes fällt mir dazu ein:

  • 96 Hours war überraschend toll. Empfehlung für alle, die auf Action stehen. Schnörkellos voll auf die Zwölf. Einwandfrei.
  • Harry Potter war in Ordnung. Für mich, der ich die Bücher seit Teil 3 nicht mehr gelesen habe, hält die Geschichte doch immer wieder einige Überraschungen bereit. Und böte diverse feine Illustrationen, welche wunderbar in Predigten o.ä. eingesetzt werden könnten, wenn die Potter-Reihe in manchen evangelikalen Kreisen nicht solch ein rotes Tuch wäre. Schade.
  • The International wurde sehr gehypet. Möglicherweise lag es daran, dass mit Tykwer mal wieder ein relativ junger deutscher Regisseur mit Hollywood-Granden wie Clive Owen drehen durfte. Leider hat der Film meine Erwartungen nicht erfüllt. Okay, die Guggenheim-Ballerei war ganz nett und die Botschaft okay, wenn auch plakativ. Trotzdem ziemlicher Durchschnitt. Aber immerhin ein schöner Abgang für Armin Müller-Stahl.
  • Knowing hat mich überrascht, erfreut und berührt. Faszinierenderweise stehe ich damit ziemlich alleine da. In jedem Fall ein schöner Anlass über Eschatologie nachzudenken. Mir gefiel er sehr.
  • Männerherzen war so, wie ich mir eine deutsche Komödie wünscht. Zweiohrküken kam nicht ganz ran.
  • Oben war in Ordnung, konnte aber leider meinem Pixar-Favoriten WALL·E nicht das Wasser reichen. Schade, in der Geschichte wäre mehr Potenzial gewesen. Immerhin das 3D war nett.
  • Operation Walküre hat mich sehr positiv überrascht. Den habe ich noch nicht zum letzten Mal gesehen.
  • Public Enemies war toll. Johnny Depp ist eh immer klasse, aber nun endlich mal klassisch mit Anzug, Hut, Knarre und Marion Cotillard an seiner Seite. Mehr davon!
  • Righteous Kill hat mir Schmerzen bereitet. Da stehen ENDLICH!! mal wieder deNiro und Pacino gemeinsam vor der Kamera und dann das…
  • Benjamin Button hat mich enttäuscht und trotzdem berührt. Ein unnötig in die Länge gezogener Film mit lächerlichen, pseudo-nachdenklichen Kommentaren aus dem Off und über-künstlich aussehenden Schauspielern. Dennoch hatte er was, was heute noch nachklingt.
  • Sieben Leben war schön.
  • Slumdog Millionär hat die meisten seiner Oscars verdient. Lohnt sich, aber nicht der Über-Film. Erinnerte mich gelegentlich an City of God.
  • Kate Winslet hat für den Vorleser endlich den Oscar bekommen. Zurecht.
  • Als Freund der Graphic Novel hatte ich mich auf Watchmen sehr gefreut und den Film dann sehr genossen. Fraglich allerdings, ob das Nicht-Kennern der Vorlage auch so geht. Fraglich auch, ob der »Ultimate Cut« auch in Deutschland erscheinen wird. Schön wär’s.

Nun zu meinen Höhepunkten.

Basterds
Tarantino did it again. Ich liebe seine Filme. Ja, ich kenne die Gegenargumente. Ja, er scheint durchgeknallt zu sein. Aber ich finde ihn dennoch grandios. Inglourious Basterds ist ein Meisterwerk. Vielleicht Tarantinos bester Film seit Pulp Fiction. Die Debatte über ausgelebte Rachegelüste an den Nazis wurde in den Feuilletons zur Genüge geführt. Darauf will ich nicht eingehen, sondern sage nur: Wunderbare Musik, wunderbare Kamera, wunderbar geschnitten, wunderbare Dialoge. Dazu das Spielen mit Klassikern – allein schon die erste Szene mit Anleihen an Erbarmungslos und Spiel mir das Lied vom Tod. Und dann mal wieder sein Händchen für Schauspieler – Mélanie Laurent, Diane Krüger, Daniel Brühl, Matthias Schweighöfer und Eli Roth machen ihre Sache sehr fein. Selbst Brad Pitt nervt nicht. Und zu Christoph Waltz sage ich nur: Sensationell. Gebt dem Mann den Oscar.

Torino
Clint Eastwood ist eine Legende. Seine letzten Regiearbeiten waren begeisternd – man denke nur an Mystic River oder Million Dollar Baby. Mit Gran Torino ist ihm wieder mal ein großer Wurf gelungen. Schade nur, dass er wohl das letzte Mal auch vor der Kamera zu sehen war. Andererseits: Einen besseren Abgang kann man sich nicht wünschen. Nach dem Tod seiner Frau hat sich der verbitterte Korea-Veteran Walt Kowalski, der lange bei Ford am Fließband stand, mit seiner nervenden Familie, den neuen Hmong-Nachbarn und einem übereifrigen Priester herumzuschlagen, der ihn gerne bei der Beichte sehen würde. Die langsame Wandlung des Griesgrams hin zum dramatischen Ende ist überaus sehenswert. Ich freue sehr mich auf Eastwoods nächsten Streich Invictus, der hoffentlich mehr auf Morgan Freeman als auf Matt Damon setzt…

Wrestler
Den Vogel abgeschossen hat allerdings Mickey Rourke mit seiner Darstellung des abgehalfterten Wrestlers Randy the Ram, der nicht aus seiner Haut kann und am Ende unsagbar kläglich scheitert. Selten habe ich mit einer Figur so gelitten. Marisa Tomei in der weiblichen Nebenrolle sowie der Theme-Song vom Boss taten ihr Übriges, um den Film zum für mich besten des Kinojahres zu machen.

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Rückblick 2009: Neu im Plattenschrank

1st Februar 2010

Keine Rangliste, auch nicht alles im letzten Jahr erschienen, sondern nur von mir gekauft.

Bon Iver – For Emma, Forever Ago
Johnny Cash / Willie Nelson – VH1 Storytellers
Coldplay – Prospekt’s March (EP)
Dire Straits – Communiqué
Bob Dylan – The Freewheelin’ Bob Dylan
Metallica – Death Magnetic (Limited Digipak)
Mortification – The Evil Addiction Destroying Machine
Philipp Poisel – Wo fängt Dein Himmel an?
Söhne Mannheims – Iz On
Söhne Mannheims und Xavier Naidoo – Wettsingen in Schwetzingen/MTV Unplugged
Xavier Naidoo – Alles kann besser werden
Sting – Fields of Gold
The Police – Their Greatest Hits
Bruce Springsteen – Magic
Bruce Springsteen – Working on a Dream (Ltd. Edition)
Stuck Mojo – Rising
Thumb – Encore
Die Toten Hosen – Learning English Lesson One
U2 – No Line on the Horizon
Hannes Wader – Neue Bekannte
The Verve – Forth
Tom Waits – Rain Dogs

Im Vergleich zum letzten Jahr fällt mir die Breite auf. Interessant, was mir alles Freude bereitet. Viel aktuelles ist nicht dabei, daher fällt es mir relativ leicht, mein Album des Jahres zu küren. Natürlich ist Bon Iver toll; auch U2 läuft bei mir immer noch mindestens einmal die Woche. Aber die Überraschung schlechthin waren für mich Hetfield & Co. – ich hätte nicht gedacht, dass es wieder Tage geben würde, an denen ich morgens mit Melodien und Textfetzen von Metallica im Kopf aufwachen würde… Den positiven Reviews nicht trauend habe ich mit dem Kauf lange gewartet, bis ich es dann doch irgendwann wissen wollte, und siehe da: Als hätte es Load, ReLoard, GarageInc., S&M, St. Anger und wie sie alle hießen nie gegeben, zeigen Metallica nach knapp zwei verlorenen Jahrzehnten wieder, wie es geht. Eine Freude, ein Gedicht, ein Traum. Hurra!

Deathmagnetic
[In der Kategorie: »Alben, die ich vor 10 Jahren entsorgt und mir jetzt wieder besorgt habe«, gewinnen eindeutig die Hosen. Wunderbare Spaßmusik.]

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Das Ende der EmergingChurch-Bewegung?

26th Januar 2010

Lange war es still auf diesem Blog. Viel war zu tun und die Zeit war knapp, die Motivation reichte nicht aus, obwohl genug Stoff vorhanden gewesen wäre, über den zu schreiben sich gelohnt hätte. Nachdem ich dann heute morgen versehentlich den aktuellen Stand der Bücher, CDs, DVDs und Kinofilme, die ich 2010 bislang genossen hatte, gepostet (und wieder gelöscht) habe, ist es nun an der Zeit, das Schweigen ein klein wenig zu brechen. Bevor ich mich in den nächsten Tagen an mein “Gehört, gelesen und gesehen 2009″ machen werde, widme ich mich hier zunächst einmal kurz der Emergent Conversation.

In den letzten Wochen wurde in der englischsprachigen Blogosphäre viel über das Ende der EmergingChurch-Bewegung gesprochen, und vorgestern stieß Marlin ins selbe Horn: Für ihn ist die Party vorbei, weil es zwar Blogs, Foren und Veröffentlichungen gibt, aber ihm viel zu wenig Praktisches passiert. Die Reise geht für ihn eher in Richtung »missional church«. Ich mag Marlin, aber in diesem Punkt bin ich anderer Meinung.
Vorab zwei subjektive emotionale Reaktionen: Erstens trauere ich sehr um den künstlichen Gegensatz zwischen missional und emergent – beides gehört zusammen; aus meiner Sicht ist das missionale Denken eo ipso ein Teil des Ausflusses der EmergentConversation. Zweitens nervt mich zusehends die Annahme, dass aus der emergenten Bewegung nichts Praktisches hervorginge. Das ist schlicht falsch. Alle mir persönlich bekannten Teilnehmer der Emergent Conversation sind am Bau des Reiches Gottes beteiligt – in praktischer herkömmlicher Gemeindearbeit, in aufsuchender Arbeit bei den Marginalisierten, im Einsetzen für einen fairen Lebensstil und im Schaffen neuer Räume, in denen Gott und einander begegnet werden kann. Alle sind Praktiker. Dass nicht jeder sofort eine neue Gemeinde gründet oder ein Projekt startet, das sofort mit eigener Website, eigener Facebook-Gruppe und eigenem Twitter-Account oder -Hashtag an den Start geht, ist möglicherweise sogar so gewollt… Theorie und Praxis gehören integral zusammen, beides bedingt einander, das Denken ändert das Handeln und das Handeln verändert das Denken. Mit den Worten von Helmut Gollwitzer: Theologie ist immer Theorie zwischen Praxis und Praxis. Beides ist notwendig und an sich wertvoll. Jesus hat nicht nur gehandelt, sondern auch gelehrt. Die Mischung macht’s.

Aber zurück zum Thema. Vielleicht wird jetzt offenbar, was schon lange klar war: Es gibt nicht das eine emergente Gemeindemodell, es gibt nicht das eine emergente Glaubensbekenntnis, es gibt nicht die eine emergente Spiritualitätsform. Es geht nicht um Gleichschaltung auf eine gemeinsame Linie durch Mittel wie Konferenzen oder Kernmedien. Es geht um sehr verschiedene Menschen, die alle auf ihre eigene Weise dem Wirken des Geistes Gottes in unserer Zeit nachspüren und ihm Raum zu geben versuchen. MIt den gemeinsamen Fragen hat alles begonnen. Möglicherweise hat sich mittlerweile eine gemeinsame Kern-Theologie herausgebildet, die meines Erachtens tief in der ostkirchlichen Trinitätslehre verwurzelt ist. Daraus ergibt sich ein erweitertes Verständnis von Gemeindeleitung, ein erneuertes Verständnis von Gemeinschaft, zwischenmenschlichen Beziehungen und sozialer Gerechtigkeit, ein neues Verständnis vom Reich Gottes und von der Nachfolge Jesu. Die Ethik knüpft an das Erbe der Täufer an; die eigentliche Lehre Jesu erfährt eine neue Betonung. Langsam wird zumindest für mich immer deutlicher, wofür die emergente Bewegung in Deutschland steht. Aber sie ist, was sie schon immer war: emergent.

Ist die EmergingChurch-Bewegung am Ende? Ich glaube nicht; ich denke vielmehr, sie beginnt erst. Sie ist weiterhin am Emergieren – sie bricht hervor, sie wandelt sich, vernetzt sich. In ganz unterschiedlichen Kontexten reagieren Menschen auf die eine sanfte Stimme, den Ton leisen Wehens und streben nach einem ganzheitlichen Leben-in-Gemeinschaft nach der Idee Gottes. Vieles ist unklar, viele Fragen sind da, mit denen umzugehen ist, viele Gedanken entstehen, viele Schmerzen sind da. Auf dem EmergentForum hat Haso Worte gefunden und mir damit direkt aus dem Herzen und ins Herz gesprochen. Ich empfehle dieses MP3 wärmstens all denen, die sich für die emergente Bewegung interessieren. 22:56 min, die sich lohnen. Haso spricht u.a. darüber, dass Gott nicht einen Schmetterling erschafft, sondern eine Raupe, die sich verpuppt. Es ist diese Zwischenphase, die meines Erachtens viele Vertreter der emergenten Bewegung weiterhin kennzeichnet – eine Mischung aus Hoffnung, Schmerzen, Trauer und Zuversicht. Die Zeit als Raupe ist vergangen, die Schmetterlingsphase kommt wohl erst noch oder beginnt gerade jetzt. In diesem Zusammenhang empfehle ich nochmals meine meine Serie zu Alan Jamiesons Buch Chrysalis, die vielleicht einige Monate zu früh kam ;-) Aber vielleicht hatten wir auch gehofft, die Chrysalis-Phase ginge schneller vorbei…

In den letzten Jahren hat sich immer wieder Jesja 43,19 in meine Gedanken geschlichen. In einer Situation der Hoffnungslosigkeit kündigt der Prophet das Handeln Gottes an:

Siehe, ich will ein Neues schaffen. Jetzt wächst es auf – erkennt ihr’s denn nicht?

Ich habe diesen Worten wieder und wieder hinterhergedacht. Viele Vorstellungen hatte das Bundesvolk davon, wie Gott handeln und was genau er tun sollte. Der Messias, der kam, war ganz anders. Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, aber die meisten hatten keine Augen dafür. Ich habe mich oft gefragt, ob ich Jesus als den erkannt hätte, der er war, und ob ich vielleicht nicht auch das Kreuzige! gerufen hätte. Gott schuf ein Neues, es dauerte lange, es kam ganz anders als erwartet und stimmte doch mit Geist und Buchstabe der alten Schriften überein. Ich glaube, dass in unserer Generation – wie immer mal wieder in der Kirchengeschichte – etwas Ähnliches geschieht.

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Hebammen der Gottesgeburt

26th September 2009

In der aktuellen Ausgabe von Christ in der Gegenwart findet sich mit »Der Priester von heute« ein interessanter Artikel von Johannes Röser über das Verständnis des Priesteramtes in der römisch-katholischen Kirche. Daraus folgendes Zitat:

Priester sollen die Menschen auf das Reich Gottes vorbereiten. In gewisser Weise sind sie so etwas wie Hebammen der Gottesgeburt im Menschen und beim Menschen. Sie nehmen dem Einzelnen das religiöse Gebären nicht ab, leiten ihn aber aufgrund besseren Wissens und tiefer Erfahrung an und greifen manchmal erleichternd ein, mitten im schmerzhaften Prozess. Priester sollen in diesem Sinne Hebammen des Religiösen sein, mit Führungssinn und Führungsverantwortung, aber ohne Besserwisserei, ohne den heute nur noch peinlichen sakral-magischen Dünkel eines besonderen “Auserwähltseins” und “Geweihtseins”, als ob die vielen wetlichen Berufungen des Menschen keine göttliche Dignität hätten.

Aus: Christ in der Gegenwart Nr. 39 / 2009, S. 428

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Heute im Briefkasten: Beziehungsweise Leben

25th September 2009

Schön ist es, wenn Vorfreude nicht von Enttäuschung, sondern von Freude abgelöst wird. Letztere Emotion stellte sich heute bei mir ein, als ich ein Päckchen aus dem Briefkasten nahm, es öffnete und darin die beiden Belegexemplare von Beziehungsweise Leben: Inspirationen zum Leben und Handeln im Einklang mit Gott und Menschen fand. Konzipiert und herausgegeben wurde dieses Buch von Daniel und Björn, erschienen ist es in der Emergent Edition, einer Kooperation des Verlages der Francke Buchhandlung und Emergent Deutschland.

Bzwleben

Schön ist es, einen Teil zu einem deutschsprachigen christlichen Buch beigetragen zu haben, das auch dem Auge schmeichelt. Verantwortlich zeichnet dafür wieder einmal Denis Holzmüller. Ob auch der Inhalt zusagt, mußt Du selbst beurteilen. Darum: Kaufen! Mehrfach kaufen und weiter verschenken. Solltest Du unentschlossen sein, findest Du hier mehr Informationen.

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60 Jahre Boss

23rd September 2009

Heute vor 60 Jahren erblickte Bruce Springsteen das Licht der Welt, was ich zum Anlass nehme, an dieser Stelle auf meine beiden Lieblingstracks des Bosses zu verweisen – viel Freude damit.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß das 3-CD-Box-Set Live 1975-1985 eine Pflichtanschaffung darstellt.
216W9Hhejrl. Sl500 Aa180

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Das Kriterium für Einheit

15th September 2009

Ein vorerst letztes Zitat von Ernst Käsemann, das seine Aktualität nicht verloren hat:

Das entscheidende Kriterium der Gemeinde und der Jüngerschaft kann doch nicht sein, welche Überzeugungen wir hegen, zumal Überzeugungen sich selbst bei Christen wandeln und wir nie fertig sind, sondern alle zu wachsen haben. Entscheidendes Kriterium der Einheit wie Trennung im Glauben kann nur sein, wieweit Jesus als dem Herrn in der Nachfolge gedient und wieweit er fromm oder unfromm als Herr von uns desavouiert wird.
(Aus: Paulinische Perspektiven, S. 97)

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Walk the talk

14th September 2009

Nochmals Ernst Käsemann:

Es besagt gar nichts, daß Jesus als Herr proklamiert und geglaubt wird. Alles hängt vielmehr daran, ob christliche Frömmigkeit, um mit Kähler zu sprechen, bis in den Alltag hinein am Kreuz den Grund und ihr Maß findet.
(Aus: Paulinische Perspektiven, S. 72)

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Sichtbar gewordene Erlösung

12th September 2009

Ein weiteres Zitat von Ernst Käsemann, welches an Newbigin erinnert:

Gegenwärtige Erlösung läßt sich nur behaupten, wenn einzelne Menschen, in sichtbarer Gemeinde zusammengefaßt, sie in ihrer Leiblichkeit anstößig und glaubwürdig vertreten und mit ihrer Existenz klarmachen, welchen Sachzwängen sie nicht mehr letztlich unterliegen. Heil, das nicht in gelebter Jüngerschaft sich bekundet, wird zum religiösen Postulat und zur unverständlichen Ideologie. Auch der christliche Glaube kann zum Aberglauben werden.
(Aus: Paulinische Perspektiven, 52f.)

Käsemann-2

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Vor 40 Jahren…

10th September 2009

… erschien Ernst Käsemanns Aufsatzband Paulinische Perspektiven, den ich heute nochmals quer gelesen habe. Dabei bin ich auf einige Aussagen gestoßen, die auch für die Leser dieses Blogs von Interesse sein könnten. Den Anfang macht folgende Feststellung Käsemanns:

Die unverkennbare Grundlagenkrise aller Geisteswissenschaften mit Einschluß der Philosophie hat etwas damit zu tun, daß wir dem idealistischen Erbe des sogenannten christlichen Abendlandes nicht kritisch genug gegenüberstehen. (S. 26)

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Äh – welche Perspektive?

9th September 2009

Zur Zeit stelle ich Material zu einer Arbeit über die Heilslehre des Paulus zusammen. Grundsätzlich fühle ich mich dabei der New Perspective on Paul verbunden, ohne dass ich die Erkenntnisse der Altvorderen über Bord werfen wollte. Wenn ich jetzt so die einst gelesenen Bücher durchgehe, dann findet sich da so manches Kleinod, welches einmal mehr deutlich macht, dass die Grenzen längst verschwommen sind. Als Beispiel mag Peter Stuhlmacher dienen, der in seiner Kritik an der New Perspective beispielsweise schreibt:

For the apostle, the righteousness of God, the Christ of God, the people of God and the kingdom of God all belong inseparably together. … Romans 4:25 and 8:34 give a wide eschatological span to christology: on Good Friday, Christ was delivered up to death by God, and since Easter he makes his death effective before God‘s judgment throne on behalf of all who confess him as Lord (cf. Rom 10,9-11). If they remain true to him, he remains their advocate until the final judgment so that nothing and no one will be able to separate them from the love of God shown them in Christ Jesus (cf. Rom 8:38-39). … By confessing Christ as Lord and Savior (cf. Rom 6:17 with 1Cor 15:3-5 and Rom 10:9-10) and by being baptized in his name, the baptized gain a share in his death on the cross and in the power of his new life. Through Christ‘s sacrifice they are freed from slavery to sin and are sanctified. Henceforth they are his property and are placed in the service of righteousness, which is God‘s will. Justification and sanctification are bound together and condition each other. … Justification means the establishment of a new being before God (cf. 2Cor 5:17,21). Therefore, the controversial and (…) much discussed distinction between „imputed“ righteousness (which is only credited to the sinner) and „effective“ righteousness (which transforms the sinner in his or her being) cannot be maintained from the Pauline texts. Both belong together for the apostle. … Therefore, justification by faith alone is justification by virtue of the grace of God alone, which opens to people the saving way of faith and gives them the power to live this way by the Holy Spirit. … The Pauline doctrine of justification is the doctrine about the implementation of God‘s righteousness through Christ for the entire creation. Its goal is the establishment of the kingdom of God. This doctrine therefore shows in its own way both that and how God will bring the first and second petitions of the Lord‘s prayer to their fulfillment (…).

Aus: Peter Stuhlmacher, Revisiting Paul‘s Doctrine on Justification: A Challenge to the New Perspective, 52.59.60.62.65.73.
Stuhlmacher

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Blaise Pascal über den »Gott der Christen«

1st September 2009

Pascal.Jpeg
(Bild: Wikipedia)

Der Gott der Christen ist seinem Wesen nach kein Gott, der lediglich ein Schöpfer geometrischer Wahrheiten und der Ordnung der Elemente wäre; das ist den Heiden und Epikureern eigen. Er ist seinem Wesen nach auch nicht lediglich ein Gott, der seine Vorsehung über das Leben und die Güter der Menschen walten läßt, um jenen eine glückliche Folge von Jahren zu geben, die ihn anbeten; das ist den Juden vorbehalten. Aber der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, der Gott der Christen ist ein Gott der Liebe und des Trostes; es ist ein Gott, der sie im Inneren ihr Elend und seine unendliche Barmherzigkeit fühlen läßt, der sich mit ihnen in ihrer tiefsten Seele vereinigt und sie mit Demut, Freude, Vertrauen und Liebe erfüllt, der sie unfähig macht, ein anderes Ziel als ihn selbst zu haben.

(Gedanken, Röderberg 1988, S.190f)

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The Blue Parakeet Teil 4 – Frauen im heutigen Gemeindedienst: Wie liest Du die Bibel? Eine Fallstudie

23rd August 2009

[Dies ist der fünfte und letzte Post einer Serie zu Scot McKnight's Buch The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible. Faszinierenderweise wurde dieser Post schon im Juni geschrieben, aber ich bin nicht zur Veröffentlichung gekommen - procrastination, that is... Ab sofort finden sich alle Posts der Serie auch direkt auf dieser Übersichtsseite.]
Blue Parakeet-4
Ein netter Titel zwar für einen Post, aber ich werde diesen Teil nicht im Detail ausführen – etwas muss ich ja noch übrig lassen, das Dich zum Kauf des Buches motiviert ;-)
Scot schreibt:

Allmählich veränderte sich meine Haltung, was zum allergrößten Teil an meinem Studium des Neuen Testamentes lag und an der Erkenntnis, dass das ganze Neue Testament der jüdischen und griechisch-römischen Kultur des ersten Jahrhunderts entstammt und von dieser Herkunft geprägt wurde – auch in dem, was es über Frauen sagt. (149)
Wir müssen etwas aussprechen, was nicht oft von Bibel lesenden und Gott lieben Christen zugegeben wird: He who writes the story controls the glory. (156)
Wollen wir die damalige kulturelle Welt und ihre Ausdrucksformen zurückholen, oder wollen wir dasselbe Evangelium zu einer anderen Zeit auf ein andere Art ausleben? (159)

Scot geht darauf ein, was Frauen im Alten und Neuen Testament getan haben und setzt sich intensiv mit den bekannten Texten aus dem 1.Korinther- und dem 2.Timotheusbrief auseinander. Ausgehend von der Prämisse, dass die Bibel immer im jeweiligen kulturellen Kontext gelesen, verstanden und ausgedrückt wird und das auch so sein soll – zu welchem Ergebnis kommt er wohl?
Auf den letzten Seiten fasst Scot nochmals seine Anleitung zum Lesen und Verstehen der Bibel zusammen (das schreit danach, kopiert und in der Gemeinde ausgelegt zu werden) und endet dann mit den Worten:

Wir können keine Sicherheit darin finden, einfach nur zurück zu gehen und in der Vergangenheit zu bleiben. Wir können nicht annehmen, dass unsere Aufgabe erledigt ist, wenn wir erst einmal herausgefunden haben, was Paulus oder Petrus meinten, wenn sie das Evangelium in ihrer Welt verkündigten. Statt dessen wird uns in der Bibel ein Verstehensmuster an die Hand gegeben – ein Muster, das direkt aus der dort erzählten Geschichte fließt und uns dazu bringt, auf das zu hören, was Gott in jener Welt gesagt hat, so dass wir verstehen können, was Gott uns durch unsere Welt sagt. So können wir erkennen, was Gott möchte, dass wir unserer Welt über diese Geschichte sagen – in der Art und Weise, wie es für unsere Welt verständlich ist.
Wenn wir die Bibel als die Geschichte Gottes lesen, dann schenkt sie uns die Zuversicht, in der Kraft des Heiligen Geistes mit der guten Nachricht von Jesus Christus der Zukunft entgegen zu treten. Gottes Geist, so erzählt uns die Geschichte, ist mit uns, um uns zu leiten und uns Erkenntnisvermögen zu schenken.
Die Geschichte der Bibel ist nicht nur die Geschichte unserer Vergangenheit; sie ist die Geschichte unserer Zukunft. (S. 212)

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The Blue Parakeet Teil 3 – Unterscheidung: Wie profitiere ich von der Bibel?

8th Juli 2009

[Dies ist der vierte Post zu Scot McKnight's Buch The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible.]
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Welche Gebote aus dem Alten Testament gelten denn noch für uns heute? Im Kern hat die Kirche immer gelehrt, dass sich die Zeiten geändert haben und wir vom Neuen Testament Muster lernen können, wie wir unterscheiden, was zu tun und was nicht zu tun ist. Wir haben uns immer manche Dinge herausgepickt, an die wir uns halten, und andere, an die wir uns nicht halten. Entscheidend ist, wie wir das, was Gott durch sein altes Wort, das an eine andere Zeit gerichtet war, sagte und sagt, heute hören und in unseren Tagen anwenden. Das ist nicht einfach, aber wir können uns darauf verlassen, dass der Heilige Geist uns leitet, wenn wir beten, die Schrift studieren und mit der kirchlichen Tradition ins Gespräch kommen. Es wäre viel leichter gewesen, wenn Gott uns für alles Regeln und Gebote gegeben hätte. Aber in seiner Weisheit hat er sich dagegen entschieden. Unterscheidung ist ein Teil dessen, was es bedeutet, im Glauben zu leben. Die Entscheidungen, die wir dann für uns treffen, dürfen wir aber nie zu allgemeingültigen Regeln erheben. Wir müssen uns immer tiefer auf den gemeinsamen Austausch einlassen und nach der größtmöglichen Einheit streben, aber hundertprozentige Sicherheit und absolute Einmütigkeit werden wir selten erlangen. Auf das Beispiel Ehescheidung und Wiederheirat angewandt: Das Neue Testament lehrt uns, dass wir uns fest der eingegangenen Ehe verpflichten sollen, erlaubt aber die Scheidung in Fällen, in denen der Ehebund zerstört wurde. Letztlich geht es darum, den verborgenen Grund zu finden, der zum Zerbruch der Beziehung geführt hat, und zu entscheiden, ob dieser Grund ausreichend für eine Scheidung ist. (Scot bringt weitere Beispiele, in denen es um die Beschneidung, den Kleidungsstil christlicher Frauen, die Frage nach dem kosmo- oder heliozentrischen Weltbild, die Todesstrafe und das Sprachengebet geht.)

Jeder wahrhaft biblische Glaube nimmt die Botschaft des Evangeliums und “inkarniert” sie in einen Kontext. … Was für Abraham, Mose, David, Jesaja, Esra, Jesus, Petrus und Paulus gut war, ist auch gut für uns. Aber die genaue Ausdrucksform des Evangeliums oder die Lebensweise von Abraham, Mose, David, Jesaja, Esra, Jesus, Petrus und Paulus kann möglicherweise für uns nicht passend sein. Wenn wir die Bibel ausleben wollen, dann müssen wir sie unseren Tagen auf unsere Weise ausleben, indem wir gemeinsam zu verstehen versuchen, wie Gott sich unser Leben vorstellt. … Wir sind berufen, die Bibel zu lesen und die Bibel zu kennen und sie heute in unserer Welt auszuleben. … Ich habe gelernt, dass wenn die Bibel mit der Tradition gelesen wird, jede Generation dazu ermutigt wird, für sich selbst zu denken, zur Bibel zurückzukehren, ihren Vorrang zu bekennen und die Kraft des Evangeliums in unserer Zeit auf unsere Weise loszulassen. (S. 143f)

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The Blue Parakeet Teil 2 – Hören: Wie soll ich mit der Bibel umgehen?

5th Juli 2009

[Dies ist der dritte Post zu Scot McKnight's Buch The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible.]
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Die Bibel ist anders als alle andern Bücher; diese Worte sind Gottes Worte, dieses Buch ist Gottes Buch und diese Geschichte erzählt Gottes Geschichte. Nicht dass die Worte »Autorität« und »unterwerfen« falsch wären, aber das Lesen der Bibel umfasst viel mehr, als sich nur ihrer Autorität zu beugen. Ein relationaler Ansatz unterscheidet zwischen Gott und der Bibel. Gott gab uns die Bibel aus Papier, die uns lehren soll, ihn als Person zu lieben. Wenn wir mit dem Buch richtig umgehen wollen, dann müssen wir verstehen, dass es sich dabei um Worte handelt, die Gott zu seinem Volk gesprochen hat. Auf diese Worte sollen wir hören. Wir nehmen teil an dem Gespräch, das in der Bibel stattfindet (z.B. Hiobs Erfahrung im Vergleich zum Gehorsam-Segens-Determinismus im Deuteronomium oder die Unterhaltung über Glaube und Gehorsam zwischen den Briefen des Jakobus und Paulus) und an dem Gespräch, das die Kirche über die Bibel führt. So führt uns unsere Beziehung zur Bibel zu einer Beziehung mit dem Gott, der in der Bibel und durch die Bibel zu uns spricht. Gott gab uns die Bibel nicht zu dem Zweck, dass wir die Bibel verstehen, sondern damit wir durch sie Gott kennen sowie ihn und unsere Mitmenschen lieben lernen. Dies kann nur geschehen, wenn wir mit der richtigen Haltung auf die Stimme Gottes hören, das Gehörte mitten in unser Wesen dringen lassen und dann danach handeln. Gott erzählt uns seine Geschichte, damit wir in eine Beziehung zu ihm eintreten können, auf ihn hören und sein Wort in unserer Zeit auf unsere Weise ausleben können. Das nennt Scot »missionales Zuhören«. Gott gab der Bibel eine Mission: Gott spricht zu uns, damit wir Menschen nach seinem Willen werden und nach seinem Willen leben. Jegliches Lesen einer jeglichen Passage der Bibel, das nicht beim “dass” aus 2Tim 3,17 landet, ist unvollständig.

Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt. (2Tim 3,14-17)

Ausgehend von diesen Versen stellt sich »missionales Zuhören« wie folgt dar: Es ist ein Lesen mit der Tradition; es ist die Verheißung, dass derselbe Geist, der über dem Autor bei der Abfassung des Buches brütete, nun im Leser am Wirken ist; es ist ein Prozess, in dem wir Lehre, Zurechtweisung, Besserung und Erziehung in der Gerechtigkeit erfahren, und der darin resultiert, dass wir “zu allem guten Werk geschickt” sind. Damit bilanziert Scot:

Wenn Du gute Werke tust, dann liest Du die Bibel richtig.
Wenn Du keine guten Werke tust, dann liest Du die Bibel nicht richtig. (S. 112)

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The Blue Parakeet Teil 1 – Erzählung: Was ist die Bibel?

1st Juli 2009

[Dies ist der zweite Post zu Scot McKnight's Buch The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible.]
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Für Scot erzählt die Bibel eine Geschichte mit einem Anfang (Genesis 1-11), einem überaus langen Mittelteil (Genesis 12 bis Maleachi 4; Matthäus bis Offenbarung) und einem Ende (Matthäus 25, Römer 8, Offenbarung 21-22). Andere Leser der Bibel verstehen sie anders, zum Beispiel als…

  • … eine Sammlung von Geboten: Alles dreht sich um die Frage, was wir tun und was wir nicht tun dürfen und Gott wird so zu einem Richter, der meist etwas ungeduldig wirkt. Wir, die Gehorsamen, werden von unserer moralischen Überlegenheit vergiftet, konzentrieren uns mehr darauf, recht zu haben statt gut zu sein und verurteilen andere.
  • … eine Sammlung von Segnungen und Verheißungen. Bei jedem Vers halten wir an und fragen uns, ob wir einen Gewinn daraus ziehen können.
  • … eine Sammlung von Spiegeln und Tintenklecksen, in denen jeder das erkennen kann, was in seinem Kopf ist (wie beim Rorschachtest). Wir lesen das in die Bibel hinein, was wir in ihr finden wollen.
  • … ein Puzzle der Gedanken Gottes: Sobald alle Teile am richtigen Platz sind, ist das Puzzle gelöst, wir haben Gott verstanden und brauchen die Bibel nicht mehr. Dummerweise passen manche Teile einfach nicht zusammen und niemand hat den Deckel der Schachtel. Außerdem stellen wir mit diesem Ansatz die Form in Frage, in der uns Gott die Bibel gegeben hat.
  • Maestros. Unterschiedliche Autoren mit unterschiedlichen Gedanken. Und gerne nehmen wir dann die Gedanken eines Maestros (z.B. Paulus) als Schablone, um in seinen Kategorien den Rest zu verstehen.

Wenn wir die Bibel verstehen wollen, dann müssen wir ihren Kontext mit einbeziehen. Wenn wir sie auf unser tägliches Leben beziehen wollen, dann müssen wir sie als die Geschichte Gottes verstehen – als eine Erzählung von den Dingen, die Gott getan hat. Weil die Geschichte des Evangeliums breit ist, verwendete Gott unterschiedliche Ausdrucksformen, um uns ein kompletteres Bild dieser Geschichte zu geben. Die unterschiedlichen Versionen nennt Scot Wiki-Erzählungen – die beständige Nachbearbeitung und Wiederaufbereitung der biblischen Geschichte durch neue Autoren, so dass sie die alte Geschichte auf neue Weise in ihre Zeit hinein sprechen können. Keine einzelne dieser Erzählungen, nicht einmal die von Jesus, kann uns die ganze Geschichte mitteilen. Darum brauchen wir sie alle. Die »Blauen-Sittich-Passagen« machen nur dann Sinn, wenn wir jede einzelne in ihrem Kontext der großen Geschichte der Bibel belassen. Keine der Wiki-Erzählungen ist die finale Version; keine schließt alles ein. Jede erzählt eine wahre Version der großen Geschichte. Diese handelt von der Erschaffung der Ebenbilder Gottes (Genesis 1-2), deren Zerbrechen (Genesis 3-11), der Bundesgemeinschaft (Genesis 12-Maleachi), der Erlösung durch das vollkommene Ebenbild Christus (Matthäus-Offenbarung 20) und von der Vollendung (Offenbarung 21-22). Die Einheit der Bibel liegt in dieser Erzählung; ihre Verschiedenheit liegt darin, wie unterschiedliche Autoren jeweils andere Aspekte in diesem Erzählstrang betonen. [Fortsetzung folgt...]

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Scot McKnight – The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible

1st Juli 2009

Es ist ein eigenartiges Gefühl, den Stapel an Büchern (noch 18) auf meinem Schreibtisch zu sehen, die ich aus den ausgewählt habe, die ich letztes Jahr gelesen habe, und über die ich eigentlich bloggen wollte. In der ersten Hälfte von 2009 hat es nur zu Chrysalis gereicht – so viel zum Thema Vorausplanen ;-) Nun aber zu einem Buch, das mir besondere Freude bereitet hat, und dem ich eine weite Verbreitung wünsche – Scot McKnight’s The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible.
Blue Parakeet
Die Grundfrage, der Scot in den etwas über 200 Seiten nachgeht, lautet: “Wie sollen wir heute die Bibel ausleben?” (S.11) Er stellt fest: “Every one of us adopts the Bible and (at the sime time) adapts the Bible to our culture. In less-apreciated terms, I’ll put it this way: Everyone picks and chooses.” (S.13; das mußte ich einfach Englisch lassen). Jeder entwickelt also seine eigenen Regeln – z.B. zum Sabbat, zum Geben des Zehnten, zur Hingabe unseres Besitzes usw. Aber welche Logik steckt hinter unserer jeweiligen Vorgehensweise beim Aufstellen unserer Regeln zum Leben nach der Idee Gottes?
Der Name des Buches und damit auch die tragende Metapher entstammt der Geschichte Scots. In seinem Garten tauchte eines Tages ein blauer Sittich auf, mit dem die vielen Sperlinge nicht recht umzugehen wussten, und vor dem sie sich zunächst zu fürchten schienen. Auch in der Bibel gibt es, so Scot, Abschnitte, die uns nicht ins Konzept zu passen scheinen. Diese Texte nennt er »Blaue-Sittich-Passagen«. Wenn wir auf sie stoßen, müssen wir genau hinsehen und lernen, vielleicht sogar unsere Ängste überwinden. Aber wir dürfen diese Passagen nicht einfach zähmen.

Wie wir die Bibel lesen und leben können
Scot schlägt folgende Vorgehensweise vor: Wir müssen die Vergangenheit verstehen und auf die Gegenwart anwenden. Was meinte Gott damals und was bedeutet das heute – die beständige Adaption, die dem ursprünglich Gemeinten treu bleibt und den gegenwärtigen Bedingungen entspricht. Dazu gehört, die Bibel mit der Tradition zu lesen, und nicht durch die Tradition. Letzteres macht vergangene Erkenntnis normativ – etwas, das ich gelegentlich im protestantischen Kontext beobachte: Was Luther sagte, gilt. Wer aber die Bibel nicht durch die Tradition, sondern mit ihr liest, der respektiert diejenigen, die ihm vorausgegangen sind. Wir setzen uns mit ihren Interpretation auseinander und lernen aus dem, wie sie die Heilige Schrift auf ihre Zeit angewandt haben. Gleichzeitig aber behalten wir die Freiheit, uns von ihren Wegen zu unterscheiden und Gottes Wort für uns neu zu hören. [Fortsetzung folgt...]

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Fundstücke und Empfehlungen

6th Juni 2009

In den letzten Tagen bin ich auf einige Dinge gestoßen, die mir Freude bereitet haben, und die ich Euch nicht vorenthalten möchte.


Aus der BlogWelt

Kester Brewin hat seinem Blog neues Leben eingehaucht und schreibt gerade an einer interessanten Serie darüber, was Erkenntnisse der Physik mit der Theologie zu tun haben:
»Theology and the New Physcis« Teil 1 – Uncertainty | Teil 2 – Dimensions | Teil 3 – Engaging the Maze

Einige Gedanken zum aktuellen Zustand der emergenten Bewegung:
Angestoßen von der Rock Harbour Gemeinde definiert Steve Taylor, was er unter emerging/emergent versteht.
Nick vom netten »Nick and Josh Podcast« drückt seine Enttäuschung über EmergentVillage aus und Tony Jones antwortet.


Zwei Buchempfehlungen

Zwei feine Menschen, die ich schätze und die mich inspirieren, haben jeweils ein Buch geschrieben. Ich habe bislang keines der beiden gelesen, will aber dennoch an dieser Stelle die Werbetrommel rühren, da für mich außer Frage steht, daß hier zweimal Gold in Buchform gebracht wurde.

Da ist zum einen Haso, dessen Blog eh Pflicht ist. Sein Buch heißt »No more Blues. Glauben ohne Schuldgefühle«.
No-More-Blues 250
Die Verlegerin Kerstin Hack schreibt darüber:

Für mich ist es das wichtigste Buch, das ich seit langem gemacht habe. Warum? Weil ich so viele Christen kenne, die ständig ein chronisch schlechtes Gewissen haben. Sie denken sie glauben nicht gut genug, lieben nicht genug, sind nicht ausreichend demütig. Das einzige, wovon sie wirklich genug haben, sind schlechte Gefühle.

Solltest Du also zu diesen Menschen gehören oder solche Menschen kennen, rate ich zum Kauf dieses Buches. Zur Leseprobe.

Da ist zum anderen Jens Stangenberg, den Du hier predigen hören kannst. Sein Buch heißt: »Tanz auf der Fontäne: Christliche Spiritualität in der Postmoderne und der Zukunft«.
Fontaene
Wenn Du mehr wissen und/oder das Buch bestellen möchtest, klicke hier.


Entertainment

Für die Ohren: Erinnerst Du Dich noch an Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews? Die drei Detektive sind als Neuvertonung zurück und können kostenlos hier heruntergeladen werden. Mir versüßen sie im Moment die Gartenarbeit, den Hausputz und das Basteln neuer Bücherregale.

Für die Augen: Die 100 besten Filmzitate in 200 Sekunden. Sehe ich mir immer wieder an – was ein Spaß!

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Manches kann zur Obsession werden

29th Mai 2009

Somethingswrong
Hach, schön… Gefunden hier bei Bill Kinnon.

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